08 June 2026, 12:23

1973: Wie 20 Frauen bei Pierburg einen historischen Streik für Gerechtigkeit entfachten

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

1973: Wie 20 Frauen bei Pierburg einen historischen Streik für Gerechtigkeit entfachten

Im August 1973 löste eine kleine Gruppe von Frauen im Pierburg-Werk in Neuss einen historischen Streik aus. Ihr Protest begann mit nur 20 Arbeiterinnen, wuchs aber bald zu einer Bewegung mit Hunderten Beteiligten an. Die Frauen forderten höhere Löhne und ein Ende der ungerechten Lohnklassifizierung, die gezielt weibliche und migrantische Beschäftigte benachteiligte.

Der Streik begann am 13. August 1973 unter dem Motto „Eine Mark mehr!“. Viele der Frauen waren Migrantinnen aus verschiedenen europäischen Ländern und wurden nach dem Tarif „leichte Arbeitsgruppe 2“ entlohnt – eine Kategorie, die für Tätigkeiten mit angeblich geringem körperlichem Einsatz vorgesehen war. Diese Einstufung hielt ihre Löhne künstlich niedrig.

Bis zum folgenden Freitag reagierten die Arbeitgeber mit einem Angebot: eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig und die Abschaffung der umstrittenen „leichten Arbeitsgruppe 2“. Der Streik zog schnell größere Aufmerksamkeit auf sich, auch Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten zeigten Solidarität. Besonders bemerkenswert war, dass sich männliche Kollegen anschlossen – ein zu dieser Zeit in Deutschland seltenes Zeichen der Unterstützung.

Doch der Protest sah sich harter Repression ausgesetzt. Die Polizei ging gewaltsam gegen die Streikenden vor, später wurde bekannt, dass ein Beamter rassistische Beleidigungen gegen die Arbeiterinnen gerichtet hatte. Trotz allem setzte die Bewegung ihre Forderungen durch. Die Abschaffung der „leichten Arbeitsgruppe 2“ bei Pierburg führte später zu deren bundesweiter Abschaffung.

Der Streik bei Pierburg markierte einen Wendepunkt für die Arbeitsrechte in Deutschland. Er sicherte den Beschäftigten höhere Löhne und beseitigte eine diskriminierende Lohnstruktur. Die gezeigte Solidarität der männlichen Kollegen setzte zudem ein Beispiel für spätere Arbeitskämpfe im Land.

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