Altersarmut droht: Warum Millionen Deutsche trotz Rente kaum über die Runden kommen
Traude SchleichAltersarmut droht: Warum Millionen Deutsche trotz Rente kaum über die Runden kommen
Deutschlands Rentensystem steht unter wachsendem Druck – Millionen Arbeitnehmer droht Altersarmut
Die gesetzliche Rente deckt nur etwas mehr als die Hälfte des letzten Nettoeinkommens ab, warnen Experten. Ohne zusätzliche Vorsorge werde es für viele im Alter eng. Ein neuer Bericht zeigt die wachsende Kluft zwischen heutigen Einkommen und der künftigen finanziellen Absicherung.
Jahre lang sank die Altersarmut in Deutschland stetig: Zwischen 2000 und 2023 verringerte sich der Anteil der über 65-Jährigen, die von Armut bedroht sind, von etwa 18–20 Prozent auf rund 15–16 Prozent. Reformen wie die 2002 eingeführte Riester-Rente, die höhere Erwerbstätigkeit älterer Frauen und Anhebungen der Mindestrente trugen zu dieser Entwicklung bei. Doch besonders für Geringverdiener bleibt die Lage prekär.
Rund 4,6 Millionen Vollzeitbeschäftigte verdienen weniger als 2.750 Euro monatlich – zu wenig, um im Ruhestand abgesichert zu sein. Weitere 9,2 Millionen kommen auf unter 3.500 Euro, ein Einkommen, das sie später unter die Armutsgrenze drücken könnte. Die offizielle Schwelle liegt bei 1.378 Euro netto im Monat, doch wer bereits heute knapp kalkuliert, hat nach Fixkosten nur noch 914 Euro übrig.
Frauen sind besonders betroffen: Ihre durchschnittlichen Rentenansprüche liegen 31,4 Prozent unter denen der Männer. Dietmar Bartsch, fraktionsloser Abgeordneter der Linken, spricht von einem Niedriglohnland, in dem Millionen zu wenig verdienen, um ausreichend fürs Alter zurückzulegen. Um die Situation zu entlasten, wird die Regierung 2026 die Hinzuverdienstgrenze für Minijobs anheben, damit Rentner leichter ihr Einkommen aufbessern können.
Laut dem Armutsbericht 2025 leben 15,5 Prozent der Bevölkerung in Einkommensarmut. Da die gesetzliche Rente nur 53 Prozent des Bruttoeinkommens ersetzt, bleibt private Vorsorge unverzichtbar. Ohne weitere Maßnahmen werden vor allem Frauen und Geringverdiener auch künftig mit finanzieller Unsicherheit im Alter kämpfen.






