16 March 2026, 22:22

"Bild-Dichter" Franz Josef Wagner und Underground-Legende Alfred Hilsberg gestorben

Plakat für "Pan: Ein Satire-Journal" mit einer Person in einem weißen Hemd mit kurzen dunklen Haaren und einem ernsten Gesichtsausdruck vor einem weißen Hintergrund mit fetter schwarzer zentrierter Schrift.

"Bild-Dichter" Franz Josef Wagner und Underground-Legende Alfred Hilsberg gestorben

Franz Josef Wagner, der langjährige Bild-Kolumnist, der als "Bild-Dichter" bekannt war, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein letzter Beitrag erschien am 7. September – eine an den neu heiliggesprochenen Carlo Acutis gerichtete Kolumne. Über zwei Jahrzehnte hinweg prägten Wagners kurze, briefartige Kolumnen das Erscheinungsbild von Deutschlands größter Boulevardzeitung.

Unterdessen verstarb Alfred Hilsberg, eine prägende Figur der Hamburger Underground-Szene, mit 77 Jahren. Die beiden Männer, obwohl aus völlig unterschiedlichen Welten, hinterließen jeweils ihre Spuren im deutschen Kulturleben – der eine in den Massenmedien, der andere in subkulturellen Kreisen.

Wagner begann seine Karriere 1966 bei Axel Springer, stieg in der Redaktion auf und wurde schließlich zu einer der bekanntesten Stimmen der Bild. Von 2001 bis 2022 verfasste er prägnante Texte in Briefform, die stets mit "Ihr Franz Josef Wagner" endeten. Seine Themen reichten von Prominenten bis zu Heiligen, doch sein Ton blieb konsequent konservativ und reaktionär.

Neben seiner Arbeit für die Zeitung fungierte Wagner als Ghostwriter für Persönlichkeiten wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Sein Stil versetzte ihn in eine ungewöhnliche kulturelle Position, oft verglichen mit Unterhaltern wie James Last oder dem Komiker Fips Asmussen. Selbst nach seinem Tod leben Wagners Kolumnen weiter – etwa im Podcast Apokalypse & Filterkaffee, wo Moderator Jan Böhmermann sie in der Stimme von Homer Simpson vorträgt. Bild hat der Sendung mittlerweile Archivmaterial bis 2007 zur Verfügung gestellt, ein Zeichen für ein zwar überschaubares, aber nach wie vor bestehendes Interesse an seinem Werk.

Hilsberg hingegen prägte über Jahrzehnte die Hamburger Alternativszene. Der selbsternannte Impresario lehnte Bier und Haschisch als banal ab und pries stattdessen das Lesen der Bild – ausgerechnet jener Zeitung, für die Wagner schrieb – als "bewusstseinserweiternde Droge" an. Seine provokante Haltung spiegelte ein Leben wider, das er damit verbrachte, die Mainstream-Kultur herauszufordern, wenn auch auf Weise, die oft zu den Institutionen zurückführten, die er kritisierte.

Mit Wagners Tod endet eine Ära für die Meinungsseiten der Bild, auch wenn seine Kolumnen in wiederveröffentlichten Formaten nachhallen. Seine politischen Ansichten und sein eigenwilliger Stil sicherten ihm eine polarisierende, aber beständige Präsenz in den deutschen Medien. Hilsbergs Ableben hingegen reißt eine weitere Verbindung zu den Underground-Bewegungen ab, die einst in Hamburgs Clubs und besetzten Häusern blühten. Beide Männer verkörperten auf ihre je eigene, gegensätzliche Weise die Spannung zwischen Massenappeal und kulturellem Widerstand.

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