Deutschland droht 2024 ein neuer Inflationsschub von 4,6 Prozent
Julian KlingelhöferDeutschland droht 2024 ein neuer Inflationsschub von 4,6 Prozent
Deutschland könnte Ende 2024 einen erneuten starken Anstieg der Inflation erleben, mit einer erwarteten Rate von 4,6 Prozent. Der Preisschub folgt auf die zunehmenden Spannungen im Persischen Golf nach einem jüngsten US-Angriff auf den Iran. Ökonomen warnen, dass höhere Preise mit einer schwachen Wirtschaftsentwicklung zusammenfallen könnten – eine neue Belastungsprobe für Haushalte und Unternehmen gleichermaßen.
Die aktuelle Inflationsprognose stammt vom Deutschen Wirtschaftsinstitut (IW), das die gegenwärtigen Entwicklungen mit der Energiekrise von 2022 vergleicht, die durch Russlands Angriff auf die Ukraine ausgelöst worden war. Damals hatte die Inflation mit über 10 Prozent ihren Höhepunkt erreicht, der Jahresdurchschnitt lag bei 6,9 Prozent. Das IW geht nun davon aus, dass die durchschnittliche Teuerungsrate bis 2026 bei 3,5 Prozent liegen wird – deutlich höher als die noch vor wenigen Monaten prognostizierten 2,7 Prozent.
Markus Demary, Geldpolitik-Experte des IW, wies auf die Gefahren einer Stagflation hin – ein Szenario, in dem steigende Preise auf eine schwache Wirtschaftstätigkeit treffen. Er forderte die Regierung auf, einkommensschwache Familien zu entlasten, etwa durch eine Erhöhung der Entfernungspauschale. Erste Entlastungen sind bereits in Kraft getreten, darunter ein temporärer Spritrabatt ab dem 1. Mai sowie ein steuerfreier Bonus von bis zu 1.000 Euro für Arbeitnehmer.
Das IW schloss zudem nicht aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen könnte. Diese hatte ihre Geldpolitik 2022 bereits umgestellt, um die damals galoppierende Inflation einzudämmen. Angesichts der geopolitischen Spannungen, die die Energiepreise erneut in die Höhe treiben, bleibt eine weitere Reaktion der EZB denkbar.
Der erwartete Inflationsschub stellt Deutschland vor eine doppelte Herausforderung: steigende Lebenshaltungskosten bei einer ohnehin fragilen Konjunktur. Zwar sollen die Entlastungsmaßnahmen die Belastung mindern, doch müssen sich Haushalte und Politik auf anhaltenden Preisdruck in den kommenden Jahren einstellen.






