Deutschlands Internetwirtschaft droht am Infrastruktur-Engpass zu scheitern
Traude SchleichDeutschlands Internetwirtschaft droht am Infrastruktur-Engpass zu scheitern
Deutschlands Internetwirtschaft steht vor rasantem Wachstum – doch die Infrastruktur droht zum Flaschenhals zu werden. Bis 2030 könnten die Umsätze von voraussichtlich 245 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 389 Milliarden Euro steigen. Doch dieser Aufschwung, angetrieben durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz, sieht sich nun einer großen Hürde gegenüber: einem Mangel an Rechenkapazitäten und schnellen Netzen. Branchenvertreter warnen, dass Deutschland ohne schnelles Handeln bei der Dateninfrastruktur den Anschluss verlieren und seine digitale Souveränität gefährden könnte.
Der eco-Verband der Internetwirtschaft, der die digitale Branche vertritt, zeigt sich besorgt über die schrumpfenden Kapazitäten deutscher Rechenzentren. Aktuell verfügt die USA über das Zwanzigfache an Kapazität – ohne Ausbau könnten deutsche Unternehmen ihre Datenverarbeitung ins Ausland verlagern. Dies würde nicht nur die digitale Eigenständigkeit schwächen, sondern Unternehmen auch abhängig von ausländischer Infrastruktur machen.
Hohe Industrie-Strompreise verschärfen die Lage zusätzlich. Der Verband fordert günstigere Grundlaststromtarife, da teure Energie den Standort Deutschland für Betreiber unattraktiv mache. Zudem bremsen zögerliche Glasfaserausbau-Projekte, die langsame Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) sowie ein Mangel an Plattform-Know-how die Infrastrukturentwicklung.
Bis 2030 könnte die Nachfrage nach IT-Anbindungen das Angebot um das Drei- bis Fünffache übersteigen. Zwar wird die Leistung der Rechenzentren voraussichtlich um 50 Prozent steigen – von 2,4 auf 3,7 Gigawatt –, doch dieses Wachstum reicht möglicherweise nicht aus, um den wirtschaftlichen Bedarf zu decken. Oliver Süme, Vorsitzender des eco-Verbands, betonte, dass ohne politische Weichenstellungen das prognostizierte jährliche Wachstum der Internetwirtschaft von 9,7 Prozent ins Stocken geraten könnte.
Die Warnung des eco-Verbands unterstreicht eine zentrale Herausforderung: Deutschlands digitale Zukunft hängt von schnelleren Infrastruktur-Investitionen und sinkenden Energiekosten ab. Bleiben diese Probleme ungelöst, könnten bis Ende des Jahrzehnts das Wirtschaftswachstum und die technologische Eigenständigkeit des Landes auf dem Spiel stehen.






