23 March 2026, 12:21

HKW-Krise eskaliert: Boykott nach Chefket-Absage erschüttert Berliner Kulturszene

Schwarzes und weißes Architekturzeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, das das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und Decke zeigt und Text am Boden.

HKW-Krise eskaliert: Boykott nach Chefket-Absage erschüttert Berliner Kulturszene

Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer wachsenden Krise nach Absage eines Auftritts des schwäbischen Rappers Chefket. Die Entscheidung folgte politischem Druck wegen seiner Kleidungswahl – ein "Palästina"-T-Shirt mit der Umrisskarte Israels in arabischer Schrift. Die Folgen haben nun zu einem Boykott deutscher Künstler geführt und Fragen zur Zukunft der Institution unter ihrer neuen Führung aufgeworfen.

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Chefket war vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt worden und sollte am 7. Oktober im HKW auftreten. Die Veranstaltung wurde jedoch kurzfristig abgesagt, nachdem Kulturminister Wolfram Weimer eingriff und Bedenken wegen der Symbolik auf dem T-Shirt äußerte. Die Absage löste sofortige Empörung aus: Aus Solidarität verweigerten alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im Haus.

Die Kontroverse kommt zu einer Zeit des Umbruchs im HKW unter seinem neuen Direktor, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Der kamerunische Biologe übernahm 2023 als erster nicht-weißer Intendant die Leitung der Institution und machte das HKW zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geführt wird. Sein "postkoloniales" Programm stößt jedoch in Teilen der deutschen Kulturszene auf Kritik.

Die Spannungen verschärften sich weiter, als der Satiriker Jan Böhmermann eine Ausstellung im HKW mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" ankündigte – eine bewusste Auseinandersetzung mit den aktuellen Turbulenzen der Institution. Trotz globaler Ambitionen – zuletzt traten dort Künstler wie der haitianische Saxophonist Jowee Omicil auf – hat das internationale Ansehen des HKW gelitten. Das Haus, nur wenige Schritte vom Kanzleramt entfernt, wurde von der Bundespolitik lange vernachlässigt, was die aktuelle Krise zusätzlich belastet.

Die Absage von Chefkets Auftritt hat die Gräben zwischen künstlerischer Freiheit und politischem Einfluss in deutschen Kulturinstitutionen vertieft. Während Künstler das HKW boykottieren und sein Ruf leidet, steht die Einrichtung nun vor der Herausforderung, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der Streit wirft zudem grundsätzliche Fragen auf: über Repräsentation, Zensur und die Rolle von Kultureinrichtungen bei der Auseinandersetzung mit globalen Konflikten.

Quelle