"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman auf der Bühne zum Leben erwacht
Stefanie Geißler"Kein Körper passt": Wie Kim de l'Horizons Roman auf der Bühne zum Leben erwacht
Eine mitreißende Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman Kein Körper passt feiert Premiere an Berlins Vaganten Bühne
Die kraftvolle Inszenierung des preisgekrönten Romans von Kim de l'Horizon, die in ihrer ersten Spielzeit bereits ausverkauft war, taucht tief ein in transgenerationelles Trauma, Identität und die Suche nach Selbstakzeptanz. Mit schonungsloser Erzählweise und mutigen Themen stellt sich das Stück schmerzhaften Erblasten – und verwebt sie zugleich mit modernen Kämpfen um Sexualität, Nachtleben und Zugehörigkeit.
Die 90-minütige Produktion begleitet Kim, eine genderfluide Protagonist:in, die von drei Schauspieler:innen verkörpert wird – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger. Ihre Reise beginnt, als Kims Großmutter an Demenz erkrankt und sie gezwungen ist, vergrabene Familiengeschichten aufzudecken. Unter einer Blutbuche, die ihr Urgroßvater einst pflanzte, findet Kim flüchtige Geborgenheit – doch bald legt das Stück düstere Wahrheiten frei: erzwungene Abtreibungen, Massenvergewaltigungen und verlorene Kinder, deren Echo durch die Generationen hallt.
Kims Geschichte entfaltet sich auch durch die Linse des modernen Lebens: Über die Dating-App Grindr und das chaotische Nachtleben lotet das Stück Fragen des Selbstwerts aus. Es kontrastiert diese intimen, oft schmerzhaften Erfahrungen mit der Last des vererbten Traumas. Indem es Scham in Widerstandskraft verwandelt, fordert Kims Erzählung das Schweigen heraus und verlangt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Die Bühnenfassung bleibt dem Geist des Romans treu, der 2022 sowohl mit dem Deutschen als auch dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde. Seine kompromisslose Ehrlichkeit und innovative Erzählweise haben beim Publikum bereits tiefen Widerhall gefunden – die Vorstellungen sind restlos ausverkauft.
Die Premiere markiert einen mutigen Schritt, Kein Körper passt von der Seite auf die Bühne zu bringen, und verbindet historische Wunden mit zeitgenössischen Konflikten. Mit ihrem erfolgreichen Debüt hat das Stück bewiesen, dass es berührt – als Konfrontation mit dem Trauma und zugleich als Weg zur Heilung. Die kommenden Aufführungen werden zweifellos weiter Zuschauer:innen anziehen, die Zeug:innen seiner rohen, verwandelnden Kraft werden wollen.






