Massendemonstrationen in Bonn und Köln fordern härtere Gesetze gegen sexualisierte Gewalt
Stefanie GeißlerMassendemonstrationen in Bonn und Köln fordern härtere Gesetze gegen sexualisierte Gewalt
Hunderte Demonstranten gingen am Sonntag in Bonn auf die Straße, um strengere Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt zu fordern. Die Kundgebung folgte einem größeren Marsch in Köln am Vortag, an dem sich über 5.000 Menschen beteiligten. Beide Veranstaltungen fanden vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Empörung statt, nachdem eine Der-Spiegel-Untersuchung zu digitaler Gewalt die nationale Debatte neu entfacht hatte.
Die Bonner Proteste wurden von einem Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt. Über 500 Menschen versammelten sich vor dem alten Rathaus am Marktplatz, hielten Schilder hoch und forderten schärfere Gesetze. Rednerinnen und Redner riefen immer wieder Männer dazu auf, Verantwortung zu übernehmen, frauenfeindliches Verhalten zu hinterfragen und Gewalt gegen Frauen zu verhindern.
Das Thema hat an Brisanz gewonnen, seit die Schauspielerin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian Ulmen, vorwirft, gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Der Fall, der durch die Der-Spiegel-Untersuchung 2024 aufgedeckt wurde, rückte digitale Gewalt in den Fokus der Politik. Bis 2026 erkannte die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz das Problem der "explodierenden Gewalt" – sowohl im physischen als auch im digitalen Raum – an.
Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) bereitet nun Reformen vor. Geplant sind unter anderem die Strafbarkeit der unerlaubten Erstellung und Verbreitung von Nacktaufnahmen und Deepfakes. Die Vorschläge umfassen zudem Verbote von heimlicher Überwachung durch Spionagesoftware, verschärfte Strafen, elektronische Fußfesseln für Täter sowie mögliche Regelungen, die Anbieter verpflichten, IP-Adressen an Opfer herauszugeben.
Auf der Bonner Demonstration kritisierte Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Merz dafür, sich nicht stärker für diese Schutzmaßnahmen einzusetzen. Eine Rede des CDU-Frauenverbandes, der mehr Sicherheit für Frauen forderte, stieß hingegen auf geteilte Reaktionen – einige im Publikum buhten.
Die Proteste in Köln und Bonn unterstreichen die wachsende Forderung nach Konsequenzen gegen sexualisierte und digitale Gewalt. Angesichts der in Arbeit befindlichen Gesetzesreformen steht die Regierung unter Druck, die öffentliche Wut in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Die hohe Beteiligung im Rheinland zeigt, wie tief das Thema die Menschen in der Region bewegt.






