16 March 2026, 00:57

Milo Rau inszeniert ein spektakuläres Gerichtsverfahren gegen Deutschlands AfD

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Milo Rau inszeniert ein spektakuläres Gerichtsverfahren gegen Deutschlands AfD

Die diesjährigen Hamburger Lessing-Tage enden mit einem gewagten theatralischen Experiment: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert am Thalia Theater ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland, das live auf der Website des Theaters gestreamt wird und so einem breiten Publikum zugänglich ist.

Das 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründete Festival, das als politische Plattform dient, wird in diesem Jahr von Matthias Lilienthal kuratiert, der bald die künstlerische Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Im Mittelpunkt des Gerichtsverfahrens gegen Deutschland steht eine fiktive Gerichtsdebatte über ein mögliches Verbot der rechtsextremen AfD, bei der Juristen und Rechtsexperten die inszenierten Verhandlungen begleiten.

Die ehemalige deutsche Justizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt den Vorsitz als Richterin. Raus Ansatz verbindet Realität und Fiktion – ein Markenzeichen seines postdramatischen Theaters. Seine früheren Werke wie Der Kongo-Tribunal (2015) oder Brecht – Mein Leben & Werk (2018) setzten echte Zeugenaussagen mit inszenierter Dramatik in Szene und sorgten oft für Kontroversen. Produktionen wie die Moskauer Prozesse (2013) oder Hassrede (2019) festigten seinen Ruf, mit politischer Provokation, Nacktheit und gewalttätigen Bildern Grenzen auszuloten.

Raus Methode, die er als "reale Fiktion" bezeichnet, hat internationale Aufmerksamkeit erregt. Indem er dokumentarische Elemente mit theatralischem Storytelling verschmilzt, fordert er das Publikum heraus, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen. Sein neues Werk führt diese Tradition fort und stellt das politische Klima Deutschlands in einem prominenten theatralischen Rahmen auf den Prüfstand.

Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland wird als Live-Stream veranstaltet und ist damit über die Theaterbühne hinaus zugänglich. Juristische Argumentationen und dramatische Nachstellungen werden die Debatte über die Zukunft der AfD prägen. Die Produktion markiert Raus letzten Beitrag zu den diesjährigen Lessing-Tagen, bevor Lilienthal an die Volksbühne wechselt.

AKTUALISIERUNG

Jury entscheidet über AfD-Verbot in Raus Theaterprozess

Der dreitägige fingierte Prozess endete mit einer knappen Jury-Mehrheit, die eine Überprüfung der Legalität der AfD forderte, aber ein direktes Verbot ablehnte. Wichtige Ergebnisse sind:

  • Kein Konsens über ein direktes Verbot der Partei.
  • Ablehnung der Regulierung von Social Media für Minderjährige.
  • Fokus auf Artikel 21 des deutschen Grundgesetzes während der Beratungen.