10 June 2026, 16:22

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom FID Marseille zurück

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom FID Marseille zurück

Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat sich vom internationalen Filmfestival FID Marseille zurückgezogen – nach wachsendem Druck und einer Boykottkampagne gegen seine Teilnahme. Über 350 Branchenvertreter hatten sich öffentlich gegen den Boykott ausgesprochen und sein Recht auf Mitwirkung verteidigt.

Ursprünglich war Lapid als Jurymitglied eingeladen worden. Doch rund zehn Filmemacher zogen ihre Werke aus Protest zurück, wobei sie seine Staatsangehörigkeit als Begründung angaben. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari betonte, der Boykott richte sich nicht gegen Lapid als Person, sondern gegen ein politisches System.

Die Debatte eskalierte, als zwei Gastbeiträge in Le Monde Lapid unterstützten: Einer, unterzeichnet von prominenten Persönlichkeiten, argumentierte, Boykotte erstickten kritische Stimmen. Ein weiterer widersprach der Vorstellung, die Einladung eines Künstlers bedeute automatisch eine Billigung seiner Regierung.

Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung unter Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als schonungslose Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben. Trotz seiner Verärgerung zog er sich zurück, um weitere Turbulenzen beim Festival zu vermeiden.

Sein Rückzug unterstreicht die Spannungen zwischen politischem Aktivismus und künstlerischer Freiheit. Trotz breiter Unterstützung aus der Filmbranche hatte sich der Druck auf seine Entfernung verstärkt. Lapid warnte, solche Boykotte könnten Kulturinstitutionen davon abhalten, mit umstrittenen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten.

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