RAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung für Cassiopeia und gescheiterte Pläne gefährden Kulturoase
Stefanie GeißlerRAW-Gelände in Berlin: Räumungsdrohung für Cassiopeia und gescheiterte Pläne gefährden Kulturoase
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes, eines bekannten soziokulturellen Zentrums, steht nach jahrelangen Verhandlungen auf der Kippe. Die Kurth Group, Eigentümerin des Areals, hat die Gespräche abgebrochen und den Planungsprozess für gescheitert erklärt. Clubs wie die Cassiopeia droht innerhalb weniger Wochen die Räumung.
Die Kurth Group hatte das RAW-Gelände 2015 erworben. Seither versuchte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, eine Balance zwischen städtebaulicher Entwicklung und dem Erhalt der subkulturellen Wurzeln des Viertels zu finden.
2022 schien eine Einigung greifbar: Der Bezirk bot im Gegenzug für den langfristigen Schutz des „Kultur-L“ einen 100 Meter hohen Büroturm an. Doch das Abkommen platzte, und bis Mai 2023 verflüchtigten sich neue Hoffnungen, als der Bezirk vorzeitige Baugenehmigungen verweigerte.
In diesem Jahr zog sich die Kurth Group komplett aus den Verhandlungen zurück. Stattdessen plant das Unternehmen nun deutlich rentablere Wohnungen zu errichten. Zudem kritisierte das Unternehmen eine Rahmenvereinbarung von Mitte Mai als Verrat an früheren Absprachen und als zu vorteilhaft für Berlin.
Ohne Rückendeckung des Bezirks und einen abgeschlossenen Planungsprozess kann der Investor nicht vorankommen. Der Geschäftsführer der Cassiopeia, Florian Falkenhagen, erhielt mündlich die Mitteilung, dass der Club bis Ende des Monats geräumt werden muss. Trotz gezahlter Miete operiert der Veranstaltungsort seit der Weigerung des Vermieters, den Mietvertrag im vergangenen Jahr zu verlängern, auf Abruf.
Das RAW-Gelände bleibt vorerst lebendig – etwa mit einer öffentlichen Fußball-Übertragung am Samstagabend. Doch mit blockierten Bauplänen und ausgesprochenen Räumungsdrohungen ist die langfristige Zukunft des Ortes unsicherer denn je. Bezirk und Kurth Group haben noch immer keine gemeinsame Basis gefunden.






