Schwarzfahren in Deutschland: Wird die Strafverfolgung bald Geschichte sein?
Stefanie GeißlerSchwarzfahren in Deutschland: Wird die Strafverfolgung bald Geschichte sein?
Neuer Vorstoß: Schwarzfahren in Deutschland soll entkriminalisiert werden
In Deutschland gewinnt die Initiative an Fahrt, das Schwarzfahren zu entkriminalisieren. Der Bundestag wird am 13. November 2025 über einen Gesetzentwurf beraten, der den Paragrafen 265a des Strafgesetzbuchs abschaffen soll. Kritiker halten die aktuelle Regelung für unverhältnismäßig hart – jedes Jahr landen Tausende wegen unbezahlter Verkehrsstrafen im Gefängnis.
Nach Paragraf 265a droht allen, die ohne gültigen Fahrausweis erwischt werden, ein Bußgeld. Wird dieses nicht beglichen, kann daraus eine Haftstrafe resultieren. Zwischen 7.000 und 9.000 Menschen sitzen jährlich wegen Schwarzfahrens hinter Gittern. Die Linke und die Grünen bezeichnen diese Praxis als überzogen und fordern eine Reform.
Auch die finanziellen Folgen sind beträchtlich: Verkehrsbetriebe verlieren durch Schwarzfahrer jährlich zwischen 750 Millionen und einer Milliarde Euro. Gleichzeitig kostet ein Hafttag in Nordrhein-Westfalen 202,73 Euro – oft mehr als das ursprüngliche Bußgeld.
Einige Städte haben bereits reagiert: Köln und Bonn stellen bei Schwarzfahren keine Strafanzeige mehr. Zudem gibt es zivilgesellschaftliches Engagement: Die Initiative Freedom Fund, 2015 gestartet, hat fast 1.500 Menschen aus der Haft befreit und so insgesamt 296 Haftjahre verhindert.
Die anstehende Bundestagsdebatte wird entscheiden, ob Schwarzfahren weiterhin als Straftatbestand gilt. Sollte der Entwurf durchkommen, könnten Tausende Haftstrafen wegen unbezahlter Bußgelder entgehen. Das Ergebnis könnte auch prägen, wie Städte künftig mit der Kontrolle im Nahverkehr umgehen.






