Verbotene Chemikalien in Kosmetik: Warum die EU-Verbote oft wirkungslos bleiben
Stefanie GeißlerVerbotene Chemikalien in Kosmetik: Warum die EU-Verbote oft wirkungslos bleiben
Verbotene Kosmetikprodukte werden in Europa weiterhin verkauft – trotz strenger EU-Vorschriften
Trotz strenger Regulierungen der Europäischen Union sind verbotene Kosmetikartikel in Europa weiterhin im Umlauf. Eine Untersuchung ergab, dass Produkte mit schädlichen Chemikalien – darunter Lilial, ein Duftstoff, der mit Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht wird – nach wie vor auf großen Handelsplattformen erhältlich sind. Auch bekannte Marken sind von dem anhaltenden Problem betroffen.
Mitte März wurde eine Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel erworben, die Lilial (BMHCA) enthielt – einen längst verbotenen Duftstoff. Die nach Maiglöckchen riechende Substanz ist in der EU seit über vier Jahren wegen möglicher Risiken für die Fruchtbarkeit verboten. Dennoch taucht sie weiterhin in Produkten auf dem Markt auf.
In den letzten zehn Jahren hat die EU mehr als 4.000 Artikel wegen gesundheitlicher Bedenken aus dem Verkehr gezogen. Dennoch werden nach wie vor Kosmetika mit anderen gefährlichen Chemikalien verkauft – etwa Prostaglandin-Analoga, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und Krebs auslösen können. Die EU hat diese Inhaltsstoffe bereits als "nicht sicher" eingestuft, doch die Durchsetzung der Verbote bleibt lückenhaft.
Das Problem beschränkt sich nicht auf Lilial. Investigativjournalisten des Recherchezentrums CORRECTIV konnten drei verbotene Produkte online erwerben, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon. Auch andere schädliche Substanzen wie "Ewigkeitschemikalien" (PFAS) oder Hydrochinon – ein wahrscheinlich krebserregender Hautaufheller – sind noch immer in Kosmetikartikeln nachweisbar.
Die Dimension des Problems ist enorm: Täglich kommen in Europa rund 800 neue Kosmetikprodukte auf den Markt, derzeit sind etwa 600.000 erhältlich. Allein 2025 prüfte die Europäische Kommission über 1,6 Millionen Websites und identifizierte mehr als 20.000 illegale Artikel, viele davon auf bekannten Plattformen. Betroffen sind in Deutschland unter anderem Marken wie Nivea (Beiersdorf), Schwarzkopf und Schauma (Henkel).
Nun diskutiert die EU über einen neuen Gesetzesentwurf, der Unternehmen ermöglichen könnte, längst verbotene Produkte bis zu sechs Jahre nach dem Verbot weiter zu verkaufen. Diese geplante Regelung wirft Fragen zur Verbrauchersicherheit und zur Wirksamkeit der Aufsicht auf.
Die Entdeckung verbotener Chemikalien in weit verbreiteten Kosmetikartikeln offenbart Schwächen in der EU-Durchsetzung. Da tausende Produkte weiterhin schädliche Substanzen enthalten, stehen die Behörden vor anhaltenden Herausforderungen. Der geplante Gesetzesentwurf könnte die Entfernung gefährlicher Artikel von den Regalen zusätzlich verzögern.






