Warum AfD-Wähler trotz Skandale zu ihrer Partei stehen – eine überraschende Erklärung
Julian KlingelhöferWarum AfD-Wähler trotz Skandale zu ihrer Partei stehen – eine überraschende Erklärung
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum einige Wähler farbrechten Bewegungen treu bleiben – selbst wenn sich Hinweise auf Inkompetenz häufen. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie das Vertrauen in die Demokratie schwindet, wenn sich Menschen von staatlichen Institutionen, Gerichten, der Wissenschaft und den Medien abwenden. Seine Forschung wirft ein Licht auf die anhaltende Anziehungskraft von Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD) und Persönlichkeiten wie Donald Trump.
Die AfD entstand 2013 als EU- und Euro-kritische Partei. Nach der Flüchtlingskrise 2015 verlagerte sie ihren Fokus auf Migration und radikalisierte sich dabei zunehmend. Interne Konflikte führten zum Austritt des liberal-konservativen Flügels, doch 2017 zog die Partei mit 12,6 Prozent der Stimmen in den Bundestag ein. Bis 2025 verdoppelte sie ihre Unterstützung – mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin.
El-Mafaalani zeigt, wie misstrauische Menschen über geteilte Skepsis zusammenfinden. Digitale Medien helfen ihnen, eng vernetzte Gruppen zu bilden, die etablierte Informationen ablehnen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" glauben nur noch denen, die ihre Ansichten bestätigen – was es schwer macht, das Vertrauen in demokratische Systeme wiederherzustellen.
Der Aufstieg der AfD hat die deutsche Politik verändert: Sie mobilisierte protestbereite Wähler, stellte die Nachkriegspolitik zu Migration und EU infrage und zwang etablierte Parteien, ihre Positionen anzupassen. Trotz Beobachtung durch den Verfassungsschutz wegen extremistischer Tendenzen bleibt die AfD eine prägende Oppositionskraft.
El-Mafaalanis Analyse deutet darauf hin, dass das Aufdecken von Versagen der AfD ihre Anhänger nicht umstimmen wird. Diese Wähler haben traditionelle Institutionen längst zugunsten populistischer Erzählungen abgelehnt. Das Buch skizziert zwar Strategien gegen solche Bewegungen, doch der Wiederaufbau von Vertrauen bleibt eine langfristige Herausforderung.






