Warum Pressestellen und Journalist:innen nicht mehr miteinander sprechen
Gesine StolzeWarum Pressestellen und Journalist:innen nicht mehr miteinander sprechen
Journalist:innen und PR-Fachleute geraten über die Kommunikation aneinander
Immer mehr Reporter:innen haben Schwierigkeiten, Pressesprecher:innen telefonisch zu erreichen – E-Mails sind oft die einzige Option. Dieser Wandel sorgt auf beiden Seiten für Frust und wirft die Frage auf, warum direkte Gespräche zunehmend seltener werden.
Aufmerksamkeit erregte das Thema, als der freiberufliche Journalist John Stanley Hunter auf LinkedIn fragte: "Warum sprechen Pressestellen nicht mehr mit der Presse?" Sein Beitrag traf einen Nerv und löste eine breite Diskussion in der Branche aus. Anette Dowideit, Chefredakteurin von Correctiv, erklärte, dass schriftliche Stellungnahmen oft aus rechtlichen Gründen unverzichtbar seien. Gleichzeitig räumte sie ein, dass Pressesprecher:innen häufiger "unter vier Augen" anriefen, um informelle Hinweise zu geben.
Auf einer kürzlichen Medienveranstaltung äußerten mehrere Redakteur:innen ähnliche Kritik. Jan Dams, Chefredakteur der Welt am Sonntag, berichtete, dass Anrufe bei Pressestellen fast immer dieselbe Antwort brächten: "Schicken Sie einfach eine E-Mail." Marco Cabras, Mitgründer der Agentur newskontor, hinterfragte, warum auch Journalist:innen selbst oft nicht mehr telefonisch erreichbar seien. Thomas Holzamer, Chefredakteur von Finance Online, wies darauf hin, dass Banken kaum noch Anrufe entgegennähmen – die E-Mail sei dort längst das einzige Kommunikationsmittel.
Auch aus der PR-Branche kamen kritische Stimmen. Sachar Klein, Chief Attention Officer bei hypr, gab zu, dass Journalist:innen Anfragen zunehmend mit einem lapidaren "Schreiben Sie das alles in eine E-Mail" abtäten. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer von ECCO Düsseldorf, vermutete, dass die Angst vor Fehlern in Unternehmen zu größerer Zurückhaltung führe – und direkte Kontakte damit erschwere. Doch Michael Knauer, Reporter bei Automobilwoche, betonte, dass Vertrauen nach wie vor den Zugang zu wertvollen Informationen ermöglichen könne – wenn beide Seiten sich darauf einließen.
Peter Ehrlich, Reporter der Süddeutschen Zeitung, forderte, dass Journalist:innen die Mobilnummern von Pressesprecher:innen brauchten, um sie im Ernstfall schnell zu erreichen. Ohne direkten Draht, warnte er, könnten wichtige Geschichten verzögert werden oder ganz untergehen.
Die Debatte zeigt: Zwischen Medien und PR wächst eine Kluft. Wo früher das Telefonat dominierte, herrscht heute oft E-Mail-Stille – mit Folgen für Tempo und Transparenz. Einig sind sich beide Seiten darin, dass mehr Vertrauen der Schlüssel zu besserer Kommunikation sein könnte.






