03 April 2026, 06:19

Wie die Bundeswehr 1956 gegen Proteste und Widerstand gegründet wurde

Schwarzes und weißes Foto von Soldaten, die während des Ersten Weltkriegs eine Straße in Berlin entlangmarschieren, mit Mützen und Gewehren, sowie Bäumen und Gebäuden am Straßenrand und einem Pfahl im Hintergrund.

Wie die Bundeswehr 1956 gegen Proteste und Widerstand gegründet wurde

Die Gründung der Bundeswehr als Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland markierte einen Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte des Landes. Die Debatten über die Wiederbewaffnung begannen bereits in den frühen 1950er-Jahren und lösten Proteste sowie politische Auseinandersetzungen aus. 1956 wurde die neue Armee offiziell aufgestellt – allerdings nicht ohne erbitterten Widerstand.

Erste Überlegungen zu einem militärischen Beitrag Deutschlands kamen während des Koreakriegs auf. Die Vorstellung, deutsche Soldaten könnten in einer europäischen Armee dienen, löste landesweit Empörung aus und führte zu Massenkundgebungen. 1951 wurde die kommunistisch geprägte Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) in Westdeutschland verboten. Ein Jahr später wurde in Essen ein junges FDJ-Mitglied bei einer Demonstration von der Polizei erschossen – ein Vorfall, der die Spannungen weiter anheizte.

Ein geplantes Volksbegehren zur Wiederbewaffnung scheiterte 1951 am Widerstand des Innenministeriums. Trotz anhaltender Proteste trat die Bundesrepublik 1955 der NATO bei, was die Ablehnung in der Bevölkerung erneut befeuerte. Noch im selben Jahr, am 12. November, wurden die ersten Offiziere und Unteroffiziere der künftigen Bundeswehr ernannt.

Die ersten Freiwilligen traten im Januar 1956 ihren Dienst in den Kasernen an. Nach monatelangen hitzigen Debatten im Bundestag wurde im Juli die Wehrpflicht eingeführt. Der Name Bundeswehr wurde erst am 1. April 1956 offiziell angenommen und prägte fortan die Identität der neuen Streitkräfte.

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Die Gegner der Wiederbewaffnung beriefen sich auf ältere Traditionen, darunter die Paulskirchenbewegung von 1848/49, die für Abrüstung und eine neutrale, pazifistische deutsche Föderation eingetreten war. Während diese Ideen bei Liberalen und Radikalen Unterstützung fanden, wiesen Konservative sie als realitätsfremd zurück. Die Medien der Zeit belächelten die Vorschläge oft als undurchführbar angesichts der eskalierenden Spannungen des Kalten Krieges.

1956 wurde die Bundeswehr trotz jahrelanger öffentlicher Ablehnung und politischer Konflikte Realität. Ihre Gründung spiegelte den Wandel Westdeutschlands in der Nachkriegszeit wider – vom entmilitarisierten Staat zum NATO-Mitglied. Die Debatten dieser Ära hinterließen nachhaltige Spuren in der deutschen Sicherheits- und Außenpolitik.

Quelle