15 April 2026, 18:21

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung vollständig – ein Medien-Erbe wird vollendet

Titelseite der deutschen Zeitung 'Weitpreubliche Zeitung' vom 13. November 1939, die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

Dichand-Familie übernimmt Kronen Zeitung vollständig – ein Medien-Erbe wird vollendet

Christoph Dichand, Verleger der österreichischen Kronen Zeitung, hat die Genehmigung erhalten, die Anteile der Funke-Mediengruppe an der Zeitung zu übernehmen. Mit diesem Schritt rückt die Familie Dichand der vollständigen Eigentümerschaft näher – ein lang gehegter Wunsch, der mit dem verstorbenen Patriarchen Hans Dichand verbunden ist. Zwar gibt es Bedenken hinsichtlich möglicher ideologischer Verschiebungen in den österreichischen Medien, doch haben Journalisten bisher externen Einfluss abwehren können.

Die Kronen Zeitung wurde 1959 von Hans Dichand gegründet, der die Anfangsfinanzierung von Kurt Falk erhielt. Falk hielt einen 50-Prozent-Anteil bis 1987, als die Familie Dichand die Kontrolle vollständig übernahm. Über die Jahrzehnte entwickelte sich die Zeitung zur auflagenstärksten Tageszeitung Österreichs, während ihre Struktur durch Partnerschaften wie Mediaprint weiterentwickelt wurde.

Mediaprint, 1988 gegründet, bündelte die Kronen Zeitung, den Kurier und die deutsche WAZ-Gruppe, um Druck, Vertrieb und Anzeigengeschäft gemeinsam zu steuern. Kritiker warfen diesem Konstrukt vor, redaktionelle Entscheidungen voneinander zu trennen und so die Zusammenarbeit zwischen den Zeitungen einzuschränken. Die WAZ selbst, 1948 vom Journalisten Jakob Funke ins Leben gerufen, wuchs zur größten Regionalzeitung Deutschlands heran und prägte später auch die österreichische Medienlandschaft mit.

Die Dichand-Geschwister halten nun zentrale Anteile an der Kronen Zeitung: Christoph führt das Blatt als Verleger, sein Bruder Michael arbeitet als Bio-Landwirt, und Schwester Johanna ist eine bekannte Kunstsammlerin. Parallel dazu gab es in Österreichs Medienwelt weitere Überschneidungen, etwa bei den Theaterregisseuren Claus Peymann und Matthias Hartmann, die 1986 bzw. 2009 vom Bochumer Schauspielhaus an das Wiener Burgtheater wechselten.

Kürzlich gab es Spekulationen, wonach die mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) verbundene Raiffeisen-Gruppe Einfluss auf die Ausrichtung des Kurier nehmen wollte. Bisher haben sich jedoch Befürchtungen, die Kronen Zeitung und der Kurier könnten sich politisch angleichen, nicht bestätigt – vor allem dank des Widerstands von Journalisten, die ihre redaktionelle Unabhängigkeit verteidigen.

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Mit dem Erwerb der Funke-Anteile durch Christoph Dichand wird die Kronen Zeitung künftig vollständig in Familienbesitz übergehen. Der Deal markiert das Ende einer jahrzehntelangen Übergangsphase seit der Gründungszeit unter Hans Dichand. Zwar bleiben Sorgen über Medienkonzentration bestehen, doch behält die Zeitung vorerst ihre eigenständige redaktionelle Linie.

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