Digitale Souveränität: Warum deutsche Firmen trotz Bewusstsein kaum handeln
Stefanie GeißlerDigitale Souveränität: Warum deutsche Firmen trotz Bewusstsein kaum handeln
Deutsche Unternehmen erkennen die Bedeutung digitaler Souveränität – doch nur wenige setzen konkrete Maßnahmen um. Eine neue Studie der Adesso SE und des Handelsblatt Research Institute offenbart eine deutliche Kluft zwischen Bewusstsein und Handlung. Zwar betrachten 92 Prozent der Unternehmen das Thema als Priorität, doch nur ein kleiner Teil verfügt über klare Strategien zur Umsetzung.
Der „Digital Sovereignty Index“ (DSI) zeigt, dass deutsche Firmen derzeit einen durchschnittlichen Reifegrad von 65,8 Prozent erreichen. Ihr Ziel liegt höher – bei 77,8 Prozent –, doch vollständige Unabhängigkeit streben die meisten nicht an. Stattdessen geht es ihnen um eine kontrollierte Abhängigkeit statt um vollständige Autarkie.
Die Verantwortung für digitale Souveränität liegt in vielen Fällen bei den IT-Abteilungen: 46 Prozent der Unternehmen übertragen ihnen diese Aufgabe. Im Fokus stehen dabei vor allem Cloud-Dienste und IT-Sicherheit. Nur 25 Prozent binden jedoch ihre Vorstände in die Steuerung ein, und lediglich 13 Prozent verankern das Thema in der Unternehmensstrategie.
Die Studie macht zudem eine starke Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern bei kritischen Technologien wie Cloud Computing, Software und KI deutlich. Trotz dieser Abhängigkeit wären 80 Prozent der Unternehmen bereit, einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr – für souveräne Lösungen.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender der Adesso SE, warnte, die deutsche Wirtschaft unterschätze die strategischen Risiken. Seine Aussagen spiegeln die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Bedeutung und der tatsächlichen Umsetzung wider.
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Trend: Unternehmen messen digitaler Souveränität zwar einen hohen Stellenwert bei, tun sich aber schwer mit der praktischen Umsetzung. Da die meisten auf externe Anbieter setzen und nur wenige das Thema in Führungsentscheidungen einbinden, bleibt die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit groß. Die Bereitschaft, für souveräne Alternativen mehr zu bezahlen, deutet auf wachsende Besorgnis hin – doch von entscheidendem Handeln ist die Wirtschaft noch entfernt.






