29 March 2026, 06:23

Florentina Holzingers Sancta provoziert mit feministischem Rollschuh-Messe-Spektakel

Plakat für das Théâtre de l'Opéra in Paris mit einer Frau in einem weißen Kleid mit einem blauen Schal, ihre Haare zu einem Dutt gebunden, vor einem tiefblauen Hintergrund mit Sternen und schwarzer Schrift, die 'Theater der Oper' lautet.

Florentina Holzingers Sancta provoziert mit feministischem Rollschuh-Messe-Spektakel

Florentina Holzingers Sancta kehrt nach provokanter Premiere an die Staatsoper Stuttgart zurück

Die Inszenierung neuinterpretiert Paul Hindemiths 1921 verbotenes Werk Sancta Susanna als feministische Messe auf Rollschuhen. Mit einer Mischung aus liturgischer Musik, Pop und Metal stellt das Stück religiöse und künstlerische Traditionen durch rohe Körperlichkeit infrage.

Sancta greift Hindemiths Original auf, das die Stuttgarter Oper 1921 wegen angeblicher Gotteslästerung ablehnte. Die Geschichte einer Nonne, deren unterdrückte Sexualität und brutale Bestrafung im Mittelpunkt stehen, erweitert Holzinger zu einem konfrontativen Spektakel. Ihre Version integriert Nacktheit, Körperaufhängungen und Anspielungen auf die Wundmale Christi – alles als Rückeroberung weiblicher Rollen in der christlichen Geschichte inszeniert.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Produktion ist als rituelles Erlebnis konzipiert und dekonstruiert patriarchale Strukturen durch extreme Körperlichkeit. Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihr Wirken im experimentellen Musiktheater, bezeichnet Sancta als bahnbrechende Form der Bühnenkunst. Die Uraufführung am 1. Oktober löste 18 medizinische Notfälle aus – ein Beleg für ihre intensive Wirkung.

Weitere Vorstellungen sind für den 3., 4. und 5. Oktober sowie den 1. und 2. November geplant. Holzingers Werk setzt den Körper als Ort des Widerstands ein und verbindet operntypische Tradition mit radikalem feministischem Ausdruck. Die Musik entwickelt sich parallel zur Reise der Protagonistin und dient zugleich als Erzählung und Wiedergutmachung.

Die Staatsoper Stuttgart zeigt Sancta in diesem Herbst noch fünfmal. Die Produktion vereint Hindemiths umstrittenes Erbe mit Holzingers kühner Neudeutung und sprengt dabei Grenzen in Form und Inhalt. Das Publikum erwartet eine ungeschönte Auseinandersetzung mit Religion, Geschlecht und den Grenzen der Performance-Kunst.

Quelle