Humboldt Forum: Fünf Jahre Suche nach dem Platz in Berlins Stadtleben
Gesine StolzeHumboldt Forum: Fünf Jahre Suche nach dem Platz in Berlins Stadtleben
Fünf Jahre nach seiner Eröffnung sorgt das Humboldt Forum weiterhin für Diskussionen. Trotz seines monumentalen Ausmaßes und ehrgeiziger Kulturprogramme wirkt es in Berlins gesellschaftlichem Gefüge noch immer nicht recht angekommen. Kritiker bemängeln, dass es eher einem Palast gleicht als einem Ort, der organisch mit dem städtischen Leben verwoben ist.
Von Anfang an befeuerte das Humboldt Forum die Debatten über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt. Sein Bau rückte diese Themen ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Unter seiner kuppelgekrönten, von einem Kreuz bekrönten Silhouette beherbergt es heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst – Sammlungen mit belasteten Geschichten.
Sein Kulturprogramm steht dem eines großen Theaters in nichts nach. Doch die Wirkung verflüchtigt sich oft in den weiten, unpersönlichen Räumen des Gebäudes, geprägt von flughafenartigen Rolltreppen und Betonkorridoren. Im vergangenen Jahr zählte das Forum rund 634.000 Besucher – ein Bruchteil der Besuchsahlen des Louvre, der etwa das Dreizehnfache verzeichnete.
Künstlerisch wird den Herausforderungen mit Mut begegnet. Sarah Ama Duahs Performance to build to bury to remember inszenierte Objekte als autonome Körper und verwiries damit die koloniale Perspektive. Auch das Programm des Forums setzt sich mit drängenden Fragen auseinander, von demokratischem Abbau bis zu globaler Ungerechtigkeit. Geplant ist etwa eine Diskussion über einen Fluss im Süden Brasiliens, der unter einem Einkaufszentrum verschwand – um später als Denkmal im Forum selbst wieder aufzutauchen.
Besucher vermissen jedoch oft Orte in der Nähe, um nach Veranstaltungen zusammenzukommen oder das Erlebte zu reflektieren. Je nach Jahreszeit sind sie zudem den Unbilden des Wetters ausgesetzt: Ob eisige Winde oder sommerliche Hitze – Schutz bietet das Forum kaum. Es bleibt ein beeindruckendes, aber noch nicht wirklich verortetes Bauwerk, das weiterhin nach seinem Platz im Leben der Stadt sucht.
