Karenztage: Warum die Debatte um Krankengeld-Kürzungen polarisiert
Traude SchleichKarenztage: Warum die Debatte um Krankengeld-Kürzungen polarisiert
In Deutschland ist eine politische Debatte über die Wiedereinführung von Karenztagen – also einer vorübergehenden Aussetzung des Krankengeldes für Arbeitnehmer – neu entfacht. Der Vorschlag, der vom ZEW und dem Kronberger Kreis vorgebracht wurde, hat heftige Reaktionen bei Gesundheitsexperten, Versicherungen und Unternehmen ausgelöst.
Ziel der Initiative war es, durch Kürzungen beim Krankengeld die Effizienz im Sozialsystem zu steigern. Doch zwei Drittel der Teilnehmer der #whatsnext-Studie der Techniker Krankenkasse (TK) lehnten das Vorhaben ab. TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas argumentierte, dass eine Reduzierung des Krankengeldes lediglich dazu führe, dass Erkrankungen hinausgezögert und später längere Fehlzeiten verursacht würden.
Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, wies den Vorschlag öffentlich zurück. Er betonte, dass die Einführung von Karenztagen eine neue gesetzliche Grundlage erfordern würde, die es derzeit nicht gebe. Das NRW-Arbeitsministerium setze stattdessen auf eine Unternehmenskultur, die die Gesundheit der Mitarbeiter aktiv fördere.
Die Personalexpertin Magdalena Rogl kritisierte, dass die Debatte um das Krankengeld in die falsche Richtung gehe. Vertrauen in die Belegschaft und einfühlsame Führung seien weitaus wirksamer, um Fehlzeiten zu verringern. Viele Unternehmen hätten ihre Prioritäten bereits darauf verlegt, Arbeitsbedingungen zu verbessern und ein unterstützendes Umfeld zu schaffen.
Die Diskussion hat dazu geführt, dass sich Betriebe stärker auf Vertrauen und Gesundheitsförderung konzentrieren statt auf finanzielle Sanktionen. Arbeitnehmer erwarten zunehmend eine Führung, die ihre gesundheitlichen Bedürfnisse ernst nimmt und aktiv angeht. Ohne gesetzliche Änderungen bleiben Karenztage vorerst vom Tisch.






