Lahav Shani wird mit bayerischem "Servus!" in München begrüßt – statt "Shalom"
Traude SchleichLahav Shani wird mit bayerischem "Servus!" in München begrüßt – statt "Shalom"
München begrüßt seinen neuen Musikdirektor Lahav Shani mit bayerischem Charme
München hat seinen neuen Musikdirektor, Lahav Shani, auf typisch bayerische Art willkommen geheißen: Statt einer multikulturellen Begrüßung empfing die Stadt ihn mit einem herzhaften "Servus!" – ein deutlicher Kontrast zu Berlins weltoffener Haltung. Die Entscheidung spiegelt Münchens langjährige Tradition wider, fremde Einflüsse mit der eigenen Kultur zu verbinden, anstatt sie einfach zu übernehmen.
Für die Münchner Philharmoniker ist diese Strategie nichts Neues. Das Orchester hat seine künstlerischen Leiter in der Vergangenheit stets durch natürliche Zusammenarbeit und lokale Verbundenheit eingeführt, statt mit großen Gesten. Doch die bewusste Wahl von "Servus!" statt eines schlichten "Shalom" hat leise Diskussionen ausgelöst: Wie präsentiert sich München eigentlich auf der internationalen Bühne?
Als Simon Rattle die Berliner Philharmoniker übernahm, begrüßte ihn die Hauptstadt mit einem offenen "Welcome!" – ganz im Einklang mit ihrem Ruf als multikulturelles Zentrum. München hingegen geht seit jeher seinen eigenen Weg. Hier werden fremde Kulturen oft in die bayerische Tradition integriert, statt sie separat zu feiern. Selbst Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident, isst gelegentlich einen "Söder-Döner" – ein Symbol für Integration auf Münchner Art.
Die Münchner Philharmoniker setzen seit Langem auf unaufgeregte Vorstellungen ihrer Dirigenten. Schon 2018 wurde ein junger Chefdirigent – damals noch mit Rotterdam verbunden – über Programmhefte eingeführt, die Freundschaft, musikalische Vertrautheit und gemeinsames Wachstum betonten. Das Engagement des Orchesters geht über Konzerte hinaus: Bildungsinitiativen erreichen über 40.000 Menschen, und Partnerschaften wie die mit BMW verankern es tief in der Gesellschaft. Nicht immer war die Öffentlichkeitsarbeit geplant – Kontroversen sorgten mitunter für ungewollte Medienpräsenz und hielten das Orchester so im öffentlichen Bewusstsein.
Shanis Ankunft folgt diesem Muster. Sein "Servus!" passt perfekt zu Münchens "Bayernkult" – einer kulturellen Identität, die äußere Einflüsse aufnimmt, ohne die eigenen Wurzeln zu vernachlässigen. Selbst Rattle dirigierte während seiner Münchner Zeit eine "Symphonische Hoagascht", ein musikalisches Event im bayerischen Dialekt. Doch dass Shani, ein israelischer Dirigent, nicht mit einem "Shalom" begrüßt wurde, lässt manche fragen, ob Münchens Offenheit nicht noch breiter gelebt werden könnte.
Die Münchner Philharmoniker prägen ihr Image weiterhin durch lokale Bräuche und beständige Gemeinschaftsarbeit. Shanis "Servus!" mag perfekt in Münchens kulturelles Konzept passen, doch es zeigt auch einen größeren Trend: Die Stadt nimmt die Welt auf ihre Weise auf – mit Traditionen im Mittelpunkt. Fürs Erste bleibt das Orchester auf Kurs: Kooperation, Bildung und die fest verankerte Rolle im öffentlichen Leben – ein bayerischer Gruß nach dem anderen.






