Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweiter Rekordknappheit an Hausärzten
Julian KlingelhöferArztmangel in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - Westfalen-Lippe kämpft mit bundesweiter Rekordknappheit an Hausärzten
Nordrhein-Westfalens Region Westfalen-Lippe hat bundesweit die wenigsten Hausärzte pro Einwohner
Aktuelle Zahlen zeigen, dass in der Region Westfalen-Lippe nur noch 61 Hausärzte auf 100.000 Einwohner kommen – der niedrigste Wert unter allen 17 regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen Deutschlands. Die politische Debatte über die wachsende Ärzteknappheit ist damit neu entfacht, wobei die Opposition der Landesregierung vorwirft, die Krise unzureichend zu bekämpfen.
Trotz jahrelanger Gegenmaßnahmen hat sich das Problem verschärft. Ein 2009 gestartetes Aktionsprogramm des Landes NRW förderte mit 29 Millionen Euro die Ansiedlung von über 1.000 neuen Hausarztpraxen, wobei 80 Prozent der Mittel nach Westfalen-Lippe flossen. Dennoch bleibt die Region massiv unterversorgt – mit großem Abstand zu anderen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern, das 2024 immerhin noch 76,8 Hausärzte pro 100.000 Einwohner zählte.
Gesundheitsminister Laumann wehrt sich gegen Vorwürfe Karl-Josef Laumann (CDU) wies die Kritik an mangelnder Handlungsbereitschaft zurück und betonte, dass nachhaltige Lösungen Zeit bräuchten. Als Beispiel nannte er die von NRW als bundesweites Vorreiterprojekt eingeführte Landarztquote. Im Rahmen dieses Programms haben sich 1.100 Medizinstudierende mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin verpflichtet, nach ihrem Abschluss ein Jahrzehnt lang in unterversorgten Gebieten zu arbeiten. Allerdings werden die ersten dieser Ärzte aufgrund der langen Ausbildungsdauer erst 2030 in die Praxis einsteigen.
Opposition übt scharfe Kritik – CDU kontert mit Vorwurf der "Politisierung" Die Stimmen der Opposition werden lauter. Lisa-Kristin Kapteinat, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, bezeichnete die aktuellen Zahlen als "vernichtendes Urteil" über Laumanns Politik. Die Grundversorgung in der Region befinde sich trotz aller Ankündigungen in einem desolaten Zustand. Der CDU-Abgeordnete Daniel Hagemeier hingegen warf der SPD ein "Eigentor" vor und unterstellte ihr, das Thema für politische Zwecke zu instrumentalisieren.
Die Diskussion offenbart, wie zäh sich die Bekämpfung des Hausärztemangels gestaltet. Zwar zielt die Landarztquote auf langfristige Verbesserungen ab, doch bis ihre Wirkung spürbar wird, werden noch Jahre vergehen. Für Westfalen-Lippe bedeutet das: Die akuten Versorgungslücken bleiben vorerst bestehen – und schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht.






