Wie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer gewinnen wollen
Julian KlingelhöferWie ARD und ZDF mit persönlichen Reportagen junge Zuschauer gewinnen wollen
Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF experimentieren mit mutigen neuen Reportageformaten, um jüngere Zuschauer zu erreichen. Die für die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen konzipierten Serien brechen mit dem traditionellen Journalismus, indem sie Reporterinnen und Reporter in den Mittelpunkt ihrer eigenen Geschichten stellen. Eine aktuelle Studie hat fünf dieser Formate untersucht, die allesamt einen persönlichen und emotional geprägten Ansatz verfolgen.
Die fünf analysierten Formate – "VOLLBILD", "exactly", "Ultraviolett stories", "Crisis – Hinter der Front" und "PULS Reportage" – setzen auf eine Ich-Perspektive. Die Journalistinnen und Journalisten agieren dabei oft sowohl als Erzähler als auch als Hauptfiguren und verweben ihre eigenen Erlebnisse mit den behandelten Themen. Dieser Stil macht die Inhalte für junge Zielgruppen greifbarer und glaubwürdiger.
Doch dieser Wandel wirft Fragen nach journalistischen Standards auf. Klassische Prinzipien wie Objektivität, Neutralität und Distanz rücken in den Hintergrund, wenn die subjektive Sicht der Reporter dominiert. Teilweise droht der Fokus auf persönliche Erzählungen das eigentliche Thema zu überlagern – mit der Folge, dass zentrale Fakten in den Hintergrund geraten.
Eine weitere Herausforderung ist die Gefahr der Wiederholung. Einige Formate tun sich schwer, ein eigenes Profil zu entwickeln, was zu sich überschneidenden Themen und ähnlichen Erzählmustern führt. Erste Anzeichen deuten zudem darauf hin, dass junge Zuschauer die ständige Flut an "ich-zentriertem" Content langsam überdrüssig werden.
Die Studie liefert jedoch nicht genug Daten, um die Einschaltquoten oder Reichweite der neuen Formate mit etablierten Angeboten wie "funk" oder "Y-Kollektiv" zu vergleichen. Unklar bleibt daher, ob der persönliche Ansatz langfristig wirklich überzeugt.
Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen damit vor einem Spagat: Sie müssen Authentizität und persönliche Nähe wahren, ohne journalistische Sorgfalt zu vernachlässigen. Der Erfolg dieser Formate hängt davon ab, ob es gelingt, junge Zuschauer zu halten – ohne Tiefe oder Originalität zu opfern. Bislang läuft das Experiment weiter, doch die langfristigen Auswirkungen sind noch offen.






