17 March 2026, 08:17

Arbeitsagenturen scheitern an Langzeitarbeitslosen – Reform soll Druck erhöhen

Eine Liniengrafik, die Trends bei der Gesamtzahl der Arbeitslosen, Stellenangebote und Kündigungen zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Für fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Arbeitsagenturen scheitern an Langzeitarbeitslosen – Reform soll Druck erhöhen

Deutschlands Arbeitsagenturen geraten in die Kritik, weil sie Langzeitarbeitslose nicht ausreichend bei der Jobsuche unterstützen. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Fast die Hälfte der seit über einem Jahr Arbeitslosen sieht kaum Nutzen in den Beratungsterminen. Unterdessen hat der Bundestag eine weitreichende Sozialreform beschlossen, die ab Mitte 2026 schärfere Regeln vorsieht.

Die Bertelsmann Stiftung befragte zwischen April und Juni 2025 mehr als 1.000 Arbeitslose im Alter von 25 bis 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld – die deutsche Grundsicherung – beziehen. Die Ergebnisse zeigen: 46 Prozent der Empfänger kämpfen mit mehreren Hürden, etwa gesundheitlichen Problemen oder fehlenden Qualifikationen.

Trotz dieser Schwierigkeiten bewerteten zwei Drittel der Befragten das Personal der Arbeitsagenturen als hilfsbereit, und fast drei Viertel hielten es für kompetent. Dennoch meinte fast die Hälfte, die Termine hätten ihre Jobchancen nicht verbessert. Die Stiftung empfiehlt nun mehr individuelles Coaching, gezielte Weiterbildungen und direkte Arbeitsvermittlung, um die Wirksamkeit zu steigern.

Historische Daten deuten auf eine leichte Verbesserung der Vermittlungserfolge vor der Einführung des Bürgergelds 2023 hin. Zwischen 2018 und 2022 fanden etwa 25 bis 30 Prozent der Langzeitarbeitslosen eine Stelle – ein Anstieg gegenüber 20 bis 25 Prozent unter dem früheren Hartz-IV-System. Dieser bescheidene Fortschritt war auch dem robusten Arbeitsmarkt vor der Pandemie geschuldet.

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Als Reaktion hat der Bundestag nun eine Reform verabschiedet, die das Bürgergeld ab dem 1. Juli 2026 durch ein strengeres Sozialmodell ersetzt. Die neuen Regeln sehen Kürzungen für diejenigen vor, die nicht mitwirken. Die Bertelsmann Stiftung rät den Arbeitsagenturen zudem, stärker auf eigeninitiative Stellensuche zu drängen – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit ihren Leistungen mindert.

Ziel der Reform ist es, den Druck auf Arbeitslose zu erhöhen, während gleichzeitig gezieltere Unterstützung angeboten wird. Mit schärferen Auflagen und einem Fokus auf praxisnahe Jobsuchmaßnahmen treten die Änderungen Mitte 2026 in Kraft. Ob das neue System funktioniert, hängt davon ab, wie gut es den Arbeitsagenturen gelingt, Kontrolle mit sinnvoller Hilfe in Einklang zu bringen.

Quelle