Berlin verliert sein einzigartiges Lettering-Museum nach jahrelangem Kampf um das Überleben
Stefanie GeißlerBerlin verliert sein einzigartiges Lettering-Museum nach jahrelangem Kampf um das Überleben
Berlins legendäres Lettering Museum schließt Ende des Jahres seine Türen
Das einzigartige Museum, in dem rund 3.500 Neonbuchstaben ausgestellt sind, muss nach jahrelangen finanziellen Kämpfen schließen – ein Opfer der Pandemie-Folgen und explodierender Energiekosten. Gründerin Barbara Dechant und ihr kleines Team hielten das Museum bisher am Laufen, doch nun sind die Mittel aufgebraucht.
Die Sammlung birgt großen kulturellen Wert: Sie bewahrt Neonschilder aus Berlin, der DDR-Zeit und der deutschen Nachkriegsgeschichte. Einige Stücke stammen sogar aus Österreich und der Schweiz. Zu den Highlights zählt der berühmte "Zierfisch", der in den frühen 1980er-Jahren für einen lebkuchenfarbenen Hochhauskomplex am Frankfurter Tor in Friedrichshain geschaffen wurde. Ein Nachbau entstand 1999, doch das Original landete später im Archiv des Museums.
Seit der Pandemie halbierten sich die Besucherzahlen, während die Kosten stiegen – ein Weiterbetrieb wurde unmöglich. Dechant und ihr Verein mit 120 Mitgliedern trugen das Museum bisher, doch ohne weitere Förderung kann es in dieser Form nicht fortbestehen. Ein neuer Standort steht noch nicht fest; das Team sucht nun nach Lagerraum und einer Partnerinstitution, die die Sammlung übernehmen könnte.
Die Schließung wirft Fragen zur Zukunft Tausender Neonbuchstaben auf. Viele Schilder spiegeln Jahrzehnte städtischer und politischer Geschichte wider – von DDR-Werbung bis zum Berlin nach der Wiedervereinigung. Das Museum war zu einem Nischen-, aber bedeutenden Archiv der visuellen Kultur geworden und zog Designer, Historiker und neugierige Besucher an.
Bis Dezember bleibt das Berlin Lettering Museum noch geöffnet und gibt Besuchern eine letzte Gelegenheit, die leuchtende Sammlung zu bewundern. Danach hängt das Schicksal der Neonschilder davon ab, ob sich ein neuer Standort oder finanzielle Unterstützung findet. Ohne Rettung droht eines der ungewöhnlichsten kulturellen Archive der Stadt für immer zu verschwinden.






